Venedigerrunde



Matreier Tauernhaus - Venediger (3660m) - Schwarze Wand (3503m) - Hoher Zaun (3467m)

Bei dieser landschaftlich gewaltigen Tour ist Ausdauer gefragt. Weite Strecken und viele Höhenmeter sind zu bewältigen.

Der Lohn ist eine (bis auf den Gipfel) einsame Tour in gewaltiger Gletscherlandschaft auf den vierthöchsten Berg Österreichs.

Ab Aussergschlöß können die Schi angeschnallt werden. Bis dorthin waren wir mit Turnschuhen unterwegs.

Die Almstraße entlang haben einige Lawinen ziemlichen Schaden angerichtet. Eine Hütte (die erste oberhalb von Aussergschlöß) wurde weggerissen und hat sich in ihre Einzelteile bis zum Bach runter verteilt. Von der Roten Säule kann durch einen Lawinenabgang nächstes Jahr schätzungsweise direkt abgefahren werden. Hier wurde beim Steiganfang der ganze Baumbestand von der Steilstufe nach unten befördert. Auch die Materialseilbahn der Prager Hütte hat Einiges abbekommen.

Es ist immer noch richtig viel Schnee in den Tauern. Beim Aufstieg hatten wir auf den SO-Hängen zur Prager Hütte einen tragenden Harschdeckel der weiter oben in eine 5-10cm tiefe, vom Wind geprägte Pulverauflage überging.

Bis zur Venedigerscharte war es eine sehr einsame Tour. Lediglich zwei Tourengeher aus Tschechien starteten vom Winterraum der Prager Hütte Richtung Gipfel. Ab der Scharte tauchten dann aber die Gipfelaspiranten von der Kürsinger bzw. Johannishütte in Scharen auf und es wurde ziemlich voll am Gipfel. Oben ging ein saukalter Wind. (Auch) deshalb haben wir uns ziemlich schnell wieder in die Einsamkeit Richtung Schwarze Wand verzogen und waren für den restlichen Tag wieder völlig allein unterwegs.

Die Abfahrt vom Hohen Zaun war noch völlig unverspurt. Der gigantische Hang vom Gipfel war etwas windgepresst und pistenänlich zu fahren. Danach wechselten wir auf die Nordseite und fuhren über die steilen Nordhänge in schönem Maipulver Richtung Schlatenkees ab.

Weiter unten war der Schnee dann natürlich schon etwas angewärmt, aber sehr gut zu fahren.

Fazit:

Landschaftlich und schifahrerische Traumtour, die aber Einiges an Kondition abverlangt.

Durch die geschlossene Prager Hütte kann dieser "Modeberg" in seiner ursprünglichsten Form bestiegen werden - Ein Traum.

 

Autor: Andreas Eicher
Datum: 03.05.2019
Saison: 18/19
Gebiet: Venedigergruppe

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Andreas Zauhar zu Kalendermotiv10.05.2019

Hamms des ned ois in Deinem Eiskurs glernt? ;-)

Lechner Heini zu Kalendermotiv09.05.2019

@Annamirl, Uta ... zeigen eure Postings etwa, dass nicht nur der Lawinenunfall, sondern auch der Spaltensturz männlich ist ;-)

Wäre es nicht wünschenswert, auf einer offiziellen Seite wie dieser, die allgemeine Lehrmeinung bzw. besser Empfehlung von Bergrettung, Alpinpolizei, etc. zu unterstützen, die da (wie auch hier in manchen Kommentaren erwähnt) besagt, dass auf schneebedekten Gletschern vorsorglich ein Gurt, im Idealfall mit einer "Abwurfschlinge inkl. Karabiner" zwischen Anseilring und Rucksack-Trageschlaufe, angelegt werden sollte?

Freiheit am Berg hin oder her, aber abgesehen vom Interesse an der eigenen Sicherheit, könnte man auch ein Stück weit an die Retter denken und so eventuell einen Einsatz eventuell erleichtern. Vielleicht wäre eine Rettung durch diese Maßnahme u. U. einfacher und rascher durchzuführen und Unfälle von Rettern (wie vor Jahren am Venediger mit im Einsatz ums Leben gekommenen Alpinpolizisten) könnten vielleicht vermieden werden?

Ein in einer Spalte eingeklemmter Gestürzter könnte u. U. sogar von einer in behelfsmäßiger Bergung versierter, ev. zufällig anwesenden (Bergführer)Seilschaft unspektakulär geborgen werden, bevor schweres Gerät (Presslufthammer, etc.) herbeigeflogen werden muss!

Ganz abgesehen von der Selbstsicherung vor einem weiteren Absturz durch eine Eisschraube am Gurt!

Florian Wallner06.05.2019

Es wurde zwar eh schon alles gesagt, aber dennoch noch zwei Aspekte von mir: 

- abgesehen von den genannten Vorteilen: mit Gurt an der Hüfte ist mein Rucksack leichter

- auch wenn ich alleine in eine Spalte rutsche, habe ich eine größere Chance, mich mal mit einer Eisschraube an der Wand zwischenzusichern und mich ev. etwas höherzurupfen, wenn ich den Gurt an und das ganze Material somit griffbereit habe. 

Die Bergung durch meine Begleiter ist ohne angezogenen Gurt auch um ein Vielfaches schwieriger. 

 

 

 

Gewaltige Verhältnisse hattet ihr!

Andreas Eicher05.05.2019

Hallo Uta,

Du hast schon Recht. Wir praktizieren das ja in der Regel genau so.

Dennoch: Nur den Gurt angezogen am Gletscher bringt einen sicherheitstechnisch nicht wahnsinnig  viel weiter.

Wenn es die Verhältnisse erfordern muss man sich komplett anseilen.

 

Annamirl Hufnagel05.05.2019

Als Sonntagshorngeherin kenne ich mich mit Schwachschichten in Spaltenzonen besonders gut aus ;-) Meine Frage @ Andi wäre daher: 1. wann wiegt der Gurt mehr – im Rucksack oder um den Bauch? 2. Wann ist der Gurt hilfreicher im Ernstfall – im Rucksack oder um den Bauch? Siehste! Für mich geht es in dem Fall um Schadensbegrenzung und Risikominimierung. Ohne erhobenen Zeigefinger muß das aber jede/r für sich entscheiden, weil die Konsequenzen muß auch jede/r für sich tragen.

uta Philipp05.05.2019

Lieber Andi!

Mit "Klettergurt um die Hüften auf einem Gletscher herumlaufen" ist nicht "alibimäßig", sondern die 1. Standardmaßnahme.

https://www.bergwelten.com/a/skihochtour-standardmassnahmen-am-gletscher

Selbst wenn das "Opfer irgendwo im Eis eingeklemmt" ist, - könnte der angelegte Gurt nicht  gerade dann bei der Rettung hilfreich sein?

 

Andreas Eicher05.05.2019

Servus Lenka,

grundsätzlich muss man natürlich beim Hotspot Schlatenkees auch vom Hotspot Venediger was die Frequentierung anbelangt sprechen. Da es hier natürlich DEUTLICH mehr Begehungen als bei den meißten Gletscherschitouren gibt. Ausserdem kommts natürlich auch auf die Verhältnisse, Jahreszeit, Wetter usw. an.

Ich bin schon sehr viele Kilometer durch Spalten- und Seraczonen gegangen, bzw. hab solche auch schon oft durchgesucht und gespurt.

Grundsätzlich hat der Edi Recht mit dem Gurt anziehen. Dann ist die Entscheidung natürlich schneller getroffen das Seil aus dem Rucksack zu holen. Bei Schihochtouren in den Westalpen mit Hüttenübernachtung praktizieren wir das immer so.

Hier haben wir die Gurte natürlich am Tauernhaus noch nicht angezogen, sondern erst am Gletscherrand über die Situation diskutiert. Ich hab aber selten so perfekt eingeschneite Verhältnisse am Gletscher vorgefunden wie am Donnerstag. Deshalb haben wir auf das Seil verzichtet.

Uta´s Einschätzung teile ich hier übrigens nicht, bzw. nur bedingt. Wenn es die Situation verlangt dann seile ich mich vernünftig an. Alibimäßig mit einem Klettergurt um die Hüften auf einem Gletscher herumlaufen hilft Dir bei einem kapitalen Spaltensturz überhaupt nichts, bzw. meißt laufen die Spalten irgendwo eng zusammen und das Eis ist ziemlich scharf. Viele Spaltenstürze enden dadurch mit Verletzungen oder das Opfer ist irgendwo im Eis eingeklemmt.

Dass hier einer 5m unten auf dem Hosenboden sitzt und ihm nur schnell ein Seil mit Karabiner runtergelassen wird ist meißtens eine Wunschvorstellung. 

Noch ein anderer Aspekt zum Thema Spaltensturz:

Ich bin mir ziemlich sicher dass auf einer Tour wie dem Venediger mindestens die Hälfte der Gipfelbesteiger zwar einen Gurt und ein Seil dabei haben, aber bei einem wirklichen Spaltensturz keine Ahnung haben, wie sie dann weiter vorgehen sollen.

Da sind 3er-Seilschaften unterwegs, die z.B. keinen Pickel dabei haben... mit Totem Mann und Seilrolle wirds da sicher schwierig und man ist im Prinzip auf andere Seilschaften angewiesen.  Denn zu dritt wird hier mit Mannschaftszug schwierig werden.

Das Thema könnte man aber endlos diskutieren.

Für mich (oder uns) war´s am Do absolut vertretbar ohne Seil.

Edi´s Worte passen aber immer

Aufpassen und Gsund bleim

 

 

Lenka Kolarova04.05.2019

Zum Glück hat in den Bergen noch jeder das Recht, selber zu entscheiden, welches Risiko vertretbar ist. Und ich muss gestehen, auch ich bin ein Gletschergurtmuffel.

Aber der Schlattenkees ist doch ein ziemlicher Spaltensturzhotspot, da bin ich voll bei Uta.

Zur Illustration nur ein Paar Schlagzeilen:

https://www.krone.at/1905535

http://www.bergrettung-praegraten.at/news/210-spaltensturz-grossvenediger-04-03-2018-schlatenkees.html

https://polizeitext.wordpress.com/2016/04/02/toedlicher-spaltensturz-am-grossvenediger-in-matrei-io/

https://www.tt.com/panorama/natur/6405465/mann-nach-spaltensturz-in-der-venedigergruppe-geborgen

https://tirol.orf.at/news/stories/2525034/

Also, wie das gebrannte Kind Edi schon gesagt hat: aufpassen und gesund bleiben!

uta Philipp04.05.2019

Lieber H., natürlich die wenigsten! Aber darum geht's gar nicht, sondern: Einfach den Gurt anhaben auf dem Gletscher. Das kann Dir und den Rettern im Ernstfall viel ersparen.

H. Rech04.05.2019

bin es vor einigen Jahren rechtsrum gegangen, mit Abfahrt über den Niederen Zaun.

Anseilen:  Hand aufs Herz, wer fährt angeseilt ab, beim ersten Schnee, ganz hinten naus, in der Bruchzone, beim Nebel...

Edi Mörtl04.05.2019

Gratuliere Andi!

Vor Jahren genau so gemacht und die Traumabfahrt vom Hohen Zaun - da Wahnsinn. Zum Thema Anseilen möcht ich dir und allen anderen dringend raten in jedem Fall am Gletscher Sitzgurt samt „Gletscheraccessoires“ unbedingt anzulegen! Das Seil ist bei Bedarf schnell zur Hand und Unterwegs bei erneuter Diskussion fällt dann die Entscheidung doch lieber anzuseilen viel leichter wenn alles andere schon am Mann/Frau sich befindet. 

Aufpassn und gsund bleim!

Andreas Eicher04.05.2019

Servus Andi,

leider ned... beim Aufstieg war´s no zu finster und nach der Abfahrt

war die Anziehungskraft vom Wirt scho z´groß :-).

 

Andreas Zauhar03.05.2019

Servus Andi, gibts von Deine beschriebenen Lawinenschäden koane Buidl?

LG Andi

Andreas Eicher03.05.2019

Hallo Uta,

wir hatten unsere Gurte und Seil dabei.

Beim Betreten des Gletschers haben wir uns kurz besprochen und die Eisausrüstung im Rucksack gelassen. Der Gletscher ist heuer noch sehr gut eingeschneit.

Wenn der Aufstieg mit lockerem Pulver überdeckt gewesen wäre, oder natürlich auch bei geringerer Schneelage, hätten wir uns sicher auch zusammengehängt.So hielt ich es aber für vertretbar ohne Seil zu gehen.

Das ist natürlich immer Ermessenssache.

Ein Großteil war an diesem Tag ohne Seil unterwegs.

Ausser natürlich die geführten Gruppen.

 

uta Philipp zu Kalendermotiv03.05.2019

Sehr schöne Runde! Aber: Wart Ihr wirklich ganz ohne Gletscherausrüstung unterwegs?