Großwand 2.415m - Tour ins Ungewisse



Schon lange eine Wunschtour von mir, voriges Jahr war die Saison dafür zu früh beendet und heuer sollte es dann doch endlich klappen. Mit Christian sprach ich schon letzten Sommer drüber. Er ging dann mal zu Fuß rauf und schaute sich das Gelände an. Im Winter sprachen wir ein paar mal drüber, die Tour ergab sich allerdings nie. Die Zeit verging und die Tour geriet in Vergessenheit.

Wie es der Zufall so will, bekam ich vor kurzem den entscheidenden Anstoß als ich mitbekam, dass die Tour begangen wurde. Ahja, da war doch was.

Gestern Abend checkte ich die ZAMG Wetteranimation, es stand ab 22.00 eine sternenklare (vorher leicht bewölkt) Nacht mit Temperaturen um die -5 Grad bevor. Müsste zumindest mal anschaubar sein. Also Christian angerufen, was er vorhat bzw. ob er mit mir Richtung Großwand schauen will. Er hatte Zeit, also fixierten wir den Start in Annaberg um 06.00.

Dennoch: in Eben hat's gestern stark geregnet, der LLB machte uns Unbehagen. Ein 2er, eigentlich in den gefährdeten Expositionen unterwegs, wobei es durch die Felsen in der Tour ja eh länger schattig ist. Schaun können wir mal, Plan B, C, D, E und was weiß ich wie viele gibt es ja im Gosaukamm sowieso.

Zur Tour:

Start um 06.00, Zustieg über Lochalm. Wahnsinn wie viele Bäume jetzt im Weg sind. Ich bin im Winter 2 mal reingegangen, es waren zwar immer wieder Bäume zu überwinden, aber mit der Schneeschmelze wird's echt mühsam. Nach der Lochalmquerung in die Harscheisen rein. Ahja, wir bemerkten schon am Tennengebirge, an den Gosaukammfelsen, vor allem an der Bischofsmütze, dass kein Schnee gefallen ist. Also ab zum Rinneneinstieg, wo wir die Ski gleich an den Rucksäcken befestigten und mit Pickel und Steigeisen losstarteten.

Die ersten 10 Meter morscher Schnee unterm Deckel mit Einsinktiefen bis an die 40 Zentimeter. Keine gute Voraussetzung, aber in dem Bereich für uns keine Lawinengefahr. Kurze Beratung: ok, schaun wir noch ein paar Schritte weiter, ob sich was ändert. Sonst muss ein Plan B her. Nach 10 Metern bis zum Gipfel durchgehend tragender Deckel mit keinem einzigen Durchbruch, wir können teilweise die angelegte Stapfspur nutzen, kraxeln nach der Rampe über Schrofen ins Gipfelkar und um kurz vor 10.00 Uhr sind wir am Gipfel.

Wir entscheiden uns, nicht auf's Auffirnen zu warten, haben doch Respekt davor, welche Schneebeschaffenheit sich unter dem sehr harten und griffigen Deckel befindet und fahren um 10.00 zu Dritt vom Gipfel ab. Fahrspaß hat die Großwand sicherlich mehr zu bieten als bei uns heute am Vormittag, aber da ist es mir lieber, ich muss mich nicht vor einer potenziellen Lawine fürchten. Nachdem wir aus der unteren Rampe ausfahren, steigen weitere Skibergsteiger auf.

Autor: Althuber Franz
Datum: 06.04.2019
Saison: 18/19
Gebiet: Gosaukamm

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Andreas Zauhar10.04.2019

Oiso war des quasi a Feierabendtour? ;-)

 

Franz, a Schoaramer passat a. Den Weg dohi kennst eh scho. Konntst ja mitm Clemens a Fahrgemeinschaft zu einer Verkostung und Neubewertung seiner Aussage - wo is de eigentlich hi? - machen. ;-)

Althuber Franz09.04.2019

@ Tourenzeitplanung: da war bei mir diesmal vordergründig der Nachtdienst ausschlaggebend. Ich geh da gerne am Vormittag noch was und schlafe dann bis 18 Uhr ein paar Stunden vor, damit ich die 12 Stunden bis 7 Uhr in der Früh fit bin. Was ich reflektierend dazu sagen kann: die Tourenwahl hätten wir ändern können. War aber eine persönliche Geschichte. Wenn's bis zum 6.4. dauert, dass ich mit meinem Nachbarn in der Saison endlich eine Tour schaffe, dann probieren wir natürlich unser gemeinsames Ziel zu machen, in Kauf nehmend, dass die Verhältnisse doch etwas härter sind. Jedenfalls wieder viel über die Rinnen und Sonnenverhältnisse im Gosaukamm gelernt. Man lernt ja nie aus ;)

@Andi: pfuiteifi, do bleib i lieber Antialkoholiker ois nomoi des Ottakringer zu trinken. I kennad do so a nette Brauerei in Schönram, haha :D

GlG euch allen, Franz

Andreas Eicher09.04.2019

Da bin i sogar mal bei Dir Andi.

Das ist ja auch die Kunst der Planung einer Tour. Bei entsprechenden Hangrichtungen, Wetter etc... kann z.B. 15 Uhr Nachmittag die richtige Abfahrtszeit sein. Aber auch am Nachmittag kann jemand abstürzen.

Für die langen Touren in den Tauerntälern beispielsweise kommt dann aber oft noch das Einzugsgebiet beim Rückweg dazu.

Da muss man dann doch manchmal harte Verhältnisse am Gipfel in Kauf nehmen um wieder sicher zum Auto zu kommen...

Andreas Zauhar09.04.2019

Kann natürlich jeder machen, wie er will, aber mir kommt vor, momentan gibts einen Wettkampf um die früheste Startzeit. Da frag i mi scho, ob des a alle mit der Zeitumstellung kapiert haben. Eine Stunde vor oder zruck, was jetzt?

 

Zu diesem Frühstartwahn passt ja wieder mal der Absturz einer Frau in einer Gosaukamm-Nordrinne. Absolut vermeidbar! Wo is eigentlich die Nachrichtenmeldung hi? Zerst im ORF-Radio, dann auf oamoi findt ma nix mehr. 

 

Mir san seinerzeit auf die Großwand um die Mittagszeit gestartet. So wia einige Locals a. War ganz entspannt, hab gar ned gwusst, dass diese sicher anspruchsvolle Tour glei so mystisch is. Die Rampe Stapfschnee, de Querung rauf und runter gut griffig bzw. gut begehbares Schrofengelände, in der Gipfelflanke isothermer schöner Firn. Null Lawinengefahr, Absturzgefahr auch sehr gering, Steigeisen nirgends notwendig.

 

I sag jetzt ned, dass generell a Spätstart günstig ist, aber vielleicht macht sich der eine oder andere doch etwas mehr Gedanken über seine individuelle Tourenplanung.

 

Sorry Franz,.dass i Dein Bericht "missbraucht"hab, aber hier passt der Kommentar halt gut her. Host a Hoibe guad bei mir. Derfst Di entscheiden zwischen Ottakringer Wiener Original, Ottakringer Hell oder Schwechater... ;-)

Tenreiter Clemens08.04.2019

Abfahrt um 10 ist wahrscheilich eindeutig zu früh. Sind meist so um 11 abgefahren, dann hat es  perfekt aufgefrint. Schaut schon sehr gegen Südost die Flanke...

Sicher eine der schönsten Touren im Dachsteinmassiv!

lg Clemens