Sonnblick Nordrinne



Am 07.04 starten Thomas Gaisbacher und ich Richtung Sonnblick Nordrinne. Da die Felle rutschen, beginnen wir bald zu stapfen und benutzen den orographisch linken Teil unterhalb der Engstelle für den Aufstieg.  Knapp vor der Engstelle setzt Beschuss mit Schneebrocken ein...ein kleiner trifft mich bei den Brunftglöckerln, Thomas wird an der Hand erwischt...Bald werden die Geschosse gefährlich groß (kopfgroß) und Steine mischen sich dazu..wir steigen rasch zur Engstelle auf wo wir unter einem Felsklapfen Zuflucht finden.  Bald bekommen wir den Eindruck, dass diese Geschosse einen künstlichen Ursprung haben. Ich erreiche meine Frau Petra telefonisch und bitte Sie am Zittelhaus anzurufen, ob die eine Idee haben, was da los ist.  Sie erreicht den Hüttenwirt, der aufgrund der vielen Gäste im Stress ist, aber meine handynummer notiert..zur Sicherheit schickt sie ihm diese auch per SMS. Petra ruft mich rück und sagt mir, dass oben ein Bagger baggert, was momentan etwas bizarr klingt.  Der Hüttenwirt würde mich aber bald anrufen.  Da dieser Anruf aber auch nach 30 minuten nicht erfolgt und das Bombardement nicht weniger wird, bleibt uns nicht anderes übrig als einen Notruf (112) abzusetzen..aus diesem resultiert dann ein Gespräch mit dem Chef der Bergrettung von Rauris, der mir verspricht, er werde anrufen sodass das Baggern unterbrochen würde und wir dann in Sicherheit abfahren können.  Ich erkläre ihm dass wir hier sind um durchzusteigen, woraufhin er sagt, dass wir um diese Zeit (gegen 11 Uhr) überhaupt nichts mehr in der Rinne zu suchen hätten.  Ich erkläre dass die Bedingungen perfekt sind (wir stehen schon eine Stunde herum und die Zehen frieren schon leicht) und dass dies auch der Bergführer neben mir so sehe...dies sei ohne Belang, wird erwidert.  Schließlich bekommen wir dennoch das GO für den Durchstieg, fahren danach ab und schließen den Tag anstelle mit der Scheißhäuselrinne mit dem Hocharn ab, der dann am Nachmittag menschenleer ist, so wie im Dezember und Jänner. Hätte sich Thomas nicht um ca. 20 Minuten am Morgen verspätet, hätte unsere Tour aufgrund der frei fallenden großen Geschoße im Ausstiegsbereich möglicherweise letal für uns geendet.  Mein Fazit aus der Geschichte: Alles im Leben dreht sich ums Bewusstsein, ums Gewahrsein...einige sind der Meinung, es sei der Grund, warum wir Menschen auf diesem wunderschönen Planeten Erfahrungen machen dürfen.

Autor: Zink Robert
Datum: 07.04.2018
Saison: 17/18
Gebiet: Goldberggruppe

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manfred morokutti11.04.2018

schon ziemlich bizarr das ganze. ich habe, so weit ich mich erinnern kann, auch erst am Samstag im Laufe des Tages - ich glaube eh hier - davon gelesen, dass man die Nordrinne heuer im Frühjahr aufgrund notwendiger Bauarbeiten unbedingt meiden soll/muss! Gott sei dank ist das ganze noch so ausgegangen! 

Andreas Eicher10.04.2018

Grundsätzlich ist das Ganze ein Wahnsinn wenn hier nicht zumindest am Parkplatz ein Warnhinweis, besser noch beim Zustieg der Rinne steht.

Aber irgendwo muass i dem Rupp auch Recht geben. Die Ansage Mia san da um durchzusteigen ist für mich scho sehr egoistisch. In der Situation a Arbeitspause da oben bekommen, de Schi anschnallen und I schleich mi...Hey Des da oben is a Baustelle. De lass ma dann einfach amoi für a Stuns steh wei Zwoa de Rinn no ganz durchstapfen wollen.

Wenn i beim nächsten Zillertalbesuch in einem der Gründe die Strass wg. einer Baustelle durch die Winterschäden gesperrt is (was mir scho passiert is) werd I dann a moi mitm Kapo von der Baustelle reden weil I jetzt da a Tour geh mecht.

Scho a bissl danebwn in meine Augen des Ganze.

Widlroither Alex10.04.2018

Wenn dass mit dem Hüttenwirt stimmt....irre!!!

Auch wenn der noch so einen Stress hat muss er da sofort was unternehmen.....zumindest wen von den Gästen oder seinem Personal hinaus zum Baggerfahrer schicken damit der aufhört zu baggern!

In diesem Sinne, schöne Hochtouren euch allen noch!!!

mex meissnitzer10.04.2018

...also wenn diese arbeiten nicht an der mautstelle, am parkplatz, am brückerl bzw. an anderen markanten zustiegstellen angekündigt wurde, dann ist es -nicht nur aus meiner sicht- grob fahrlässig > klassisches verursacherprinzip...

wer arbeiten mit gefahrenpotetial verursacht, egal wo, hat auch dafür sorge zu tragen dass diese in angemessener form publik werden, lieber ein mal zuviel als zuwenig > ein hinweis im webportal "auf touren" ist zwar ein anfang aber ganz sicher nicht ausreichend (ist ja jetzt schon auf der X-ten seite und wird von niemand mehr gelesen...), überhaupt mit dem wissen, dass es sich bei dieser rinne um eine der klassischen steilabfahrten im frühjahr handelt, und man längst im zustieg ist wen die arbeiten erst beginnen !

das dann hier jemand von schämen und schlechten charakter schreibt ist sowas von unnötig und grenzwertig, es können alle beteiligten aber auf jeden fall froh sein das nix passiert ist.

in diesem sinn noch schönes frühjahr und gesunde touren

Rupp10.04.2018

@ Thomas Gaisbacher: Als lizenzierter Tourenguide und Bergführer ein solches Verhalten gegenüber der Bergrettung an den Tag legen zeigt euren wahren Charakter, auch wenn du ein Freeride-Profi bist.

Ich würde mich schämen, mehr will ich dazu nicht mehr sagen.

 

Andreas Zauhar zu 3-Genuss10.04.2018

Über 50 Grad? ;-)

 

Gottseidank gut ausgegangen. Die Tour war am Samstag, der Hinweis vom Bernd auch am Samstag. Vermutlich noch nicht zum Einstiegszeitpunkt. Oder erst nach diesem Vorfall? Gabs noch andere Warnhinweise? Rechtlich im Ernstfall vermutlich kritisch zu bewerten.

 

Ein Warnhinweis beim Lagebericht ist wohl wirkungsvoller. Der bisherige Hinweis verschwindet schnell im Nirwana, so wie meisten Berichte. Hinweise an Parkplatz, in den Hütten und vielleicht sogar am Einstieg wären hilfreich.

 

Wos i allerdings ned versteh is, dass Ihr in der Lage no auf an Durchstieg und a Abfahrt bestanden habt. Ohne des wäre sich die Sch....häuslrinne vielleicht doch noch ausganga?

 

Hat Euch der Radio-Salzburg-Reporter nimma erwischt? Unverantwortlich, aufn Hocharn zu gehen, wenn scho alle herunten sind ...... (siehe http://salzburg.orf.at/news/stories/2905941/)

Thomas Mansberger09.04.2018

uiuiui, Kampf Mensch–Maschine, David gegen Goliath, Gott sei Dank nix passiert!

und was für grenzgeniale Verhältnisse!

Helge Tschiedl09.04.2018

http://www.lawine.salzburg.at/tour/index2.php?id=20574