Watzmann Skischarte und 5. Kind



Wechtenbruch, Staublawinen, perfekte Powderbedingungen, und frisch gebildete Gleitschicht - alles dabei!

Nach meinem early-bird-start um 5:30 am PP Hammerstiel war ich, trotz Umweg über die Kührointalm und erschwerte Aufstiegsbedingungen dank Splitboard, für lange Zeit der Erste im Watzmannkar. Der morgendliche Gipfel-Nebel wurde bald vom kräftigen Wind in der Höhe vertrieben, am kleinen Watzmann war eine konstante Schneefahne zu sehen. Die nächtlichen 5-15cm feinster Powder wurden wohl massiv in die Wände verweht, so dass es bald zu beeindruckenden Staublawinen aus der sonnenbeschienenen kleinen Ostwand kam. Ich war mir unschlüssig, ob ich zunächst zum völlig verspurten 5. Kind gehen sollte, entschied mich aber (glücklicherweise) für die Skischarte, da mich der noch jungfräuliche Steilhang links vom Gletscher anlachte und wegen des Einser-LW-Berichts für mich vertretbar war. 200m weiter vom Abzweigpunkt plötzlich ein gewaltiges Donnern und eine beträchtliche Staublawine vom 4. Kind! Ich bekam zum Glück nur den Orkan und den Staub ab. Nachdem der sich gelegt hatte, stieg jedoch mein Adrenalinpegel enorm, als ich sah, dass die riesige Wechte, die gerade abgebrochen war, in heuballengroßen Stücken genau auf dem Anfang der Spur zum 5. Kind lag! Richtige Entscheidung getroffen... In der Skischarte lag völlig windunbeeinflusster Powder auf zerfahrenem Hartschnee, die Abfahrt durch die angepeilte Scharte war ein kurzes aber exzellentes Erlebnis! Währenddessen kamen Scharen von Tourengehern hinterher, interessanterweise alle am Weg zur Skischarte. Währenddessen kam nochmal ein kleineres Stück Wechte nach, welches die Ameisenschar unter der 5.Kind-Flanke ordentlich einstaubte, deren Teile jedoch nicht so weit kamen wie die vorherige, sondern eher am Wandfuß liegen blieben. Ich startete eine Erkundung zum 5. Kind, in respektvollem Abstand zur Steilwand des 4. Kindes, dafür über die recht steile Flanke des 5. Kindes. Dort eine völlig andere Schneesituation als am Aufstieg zur Skischarte: Die vor einer Stunde noch weithin sichtbaren Spuren waren völlig verweht. Außer dem Lawinenstaub haben die konstanten Fallwinde den Triebschnee zu einer unguten gebundenen Schicht kompaktiert, die sehr spannungsbehaftet war und dort, wo der Untergrund nicht mit Spuren aufgerauht war, leicht abrutschte, Mächtigkeit bis zu 10cm. Nachdem meine Felle eh nicht mehr hielten und ich mit dem einzigen "Nachfolger" Rücksprache gehalten hatte, kehrten wir beide um.

Für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung, dass auch Modetouren und Einser-LW-Berichte alles andere als ungefährlich sein können. Die Bergfex-Beschreibung fürs 3. Kind beinhaltet eine Warnung vor Dachlawinen und mahnt zum gesunden Abstand von der Steilwand, selbiges gilt zu 100% auch fürs 5. Kind!

Autor: De Janeiro Philipp
Datum: 12.02.2018
Saison: 17/18
Gebiet:

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Johann Allgeier zu Der Übeltä...13.02.2018

Bericht und Fotos sehr informativ. Nach den schneearmen Wintern der letzten Jahre ist man heuer über die Größe der Wechten und die reichweiten der Lawinen überrascht.

Viele Grüße

  Hans