Lawine Gennerhorn Ost



Als Ziel für diesen Traumtag haben wir den Hohen Zinken in den Osterhorns ausgewählt, weil es viel Zeit auf Ski und wenig im Auto sein sollte und ich dort schon einige Zeit nicht mehr war. Vom Zinkengipfel aus wurden wir Zeugen eines Lawinenabganges in der Gennerhorn Ostflanke (kurz vor 12Uhr). Wie die Lawine ausgelöst wurde, habe ich leider nicht gesehen. Nach unserer Erkenntnis wurde niemand verschüttet. Vielleicht kennt jemand mehr Details und kann diese beitragen.

Start in Lämmerbach sehr kalt bei -15°C. Wetter: Traumtag, am Gipfel leichter Wind. Bedingungen im sicheren Wald: Pulververgnügen. Beim Rückweg über die Almen war der Schnee sonnseitig schon "angestochen".

Autor: Martin Luger
Datum: 22.01.2016
Saison: 15/16
Gebiet: Osterhorngruppe

Neuen Kommentar hinzufügen
Martin Luger04.02.2016

Danke an alle für die Kommentare! Mittlerweile hat sich ja nicht nur die Lawinenwarnstufe verändert, sondern leider der Aggregatzustand von großen Teilen der weißen Pracht!

Großes Danke an Stephan Huber für das super Bild, welches ich zur Tour noch hinzugefügt habe! Es zeigt, wie die Situation da oben ausschaut, wenn es Neuschnee bei starkem Wind aus westlicher Richtung gibt. Da wird auch schnell klar, warum in allen Tourenbüchern steht: „sehr lawinengefährlich. Nur bei stabilen Verhältnissen!“ Eigentlich verrät es ja auch ein Blick auf diese „riesen Leitn“, in der beinahe keine Bäume stehen…. (zur Erinnerung an eine gewaltige Staublawine im März 2005 der Link: http://www.lawine.salzburg.at/tour/index2.php?id=2315)

 

Danke an Sepp Schiefer für den Ausdruck „nervös hinaufgespitzelte Spur“. Dieser Ausdruck ist mir wiederholt durch den Kopf gegangen. Auswüchse der Leistungsgesellschaft im Skitourensport zielgenau auf den Punkt gebracht. Keine Zeit für eine schöne Spur, keine Option zum Umdrehen im Kopf, der mögliche Rest an mulmigem Gefühl wird mit dem Argument „Airbag“ zerdrückt. Es zählt nur, oben gewesen zu sein. Schnell in der Früh oder am Vormittag! Auf dem Gennerhorn, weil aufs Zwölferhorn gehen ja eh schon alle. Und man muss sich ja abheben vom Rest, sonst staunt ja keiner mehr. Leistungsgesellschaft eben!

Ja, da war jetzt viel Hypothese dabei und auch viel Provokantes. Muss es aber auch, wenn man zum Nachdenken anregen will. Mir fehlt der Zugang und das Verständnis, wieso jemand bei den damaligen Verhältnissen und dem entsprechenden Lagebericht da hinauf muss/will, wo es rund herum viele weniger riskante Tourenmöglichkeiten gegeben hätte. Was ist die Motivation? Oder ist es nur eine Kombination aus Fehleinschätzung, Unwissenheit und Ignoranz?

Ich gebe zu bedenken, dass es möglicherweise ein riesen Glücksfall war, dass an diesem Tag niemand unter diese Lawine und zu Schaden kam. Was wäre gewesen, wenn eine Gruppe an „leicht Verführten“, die das Erblicken einer Spur als generelle Lawinenentwarnung verstehen, da oben genau vor dem Ausstieg, wo es doch sehr steil und manchmal rutschig ist, in der Schlange gestanden wären, als die Lawine losging? Ich will es mir nicht vorstellen. Außerdem sind wir da jetzt eher bei der berühmten Diskussion um die Verantwortung der ersten Spur angelangt. Egal.

Das Ende in der Leistungsgesellschaft lautet manchmal „burn out“, in den Bergen im Winter leider eher „Lawinentod“. Letzteres liest sich deutlich schlechter im Lebenslauf!

Also, kommt alle gesund heim, von vielen schönen Skitouren, falls noch mal der Winter kommt!

stephan huber26.01.2016

HAllo Martin, 

ich wollte dir ein Bild vom Gennerhorn zukommen lassen, das ich am selbigen Tag (vom Zinken aus, 8 uhr morgens) aufgenommen habe. hier ist der Windeinfluss sehr gut zu erkennen. Leider konnte ich deine Mail Adresse nicht ausfindig machen. lg stephan 

Josef Schiefer zu Gennerhorn 423.01.2016

Hallo Martin!

Danke für den Bildbericht.

 

Vorausgeschickt, ich kenne diesen Anstieg nicht und reflektiere nur die angegebenen Daten und Bilder.

 

Hallo Bernd! Du schreibst in deinem Bericht Fr 220116 bereits in den Einganszeilen folgendes.....

 

Günstig unter 2000m und dort wo es zu Silvestern noch aper war (südseitig twl. 2400m). Weiter oben bedarf es hingegen Zurückhaltung und ein geschultes Auge, die Schneebrettgefahr ist in den Nordalpen und Hohen Tauern zunmindest ober 2200m noch erheblich. Heikel sind steile eingewehte Hänge im Nordsektor (W-N-O; Altschneeproblem). Meiden sollte man auch die zuletzt gebildeten Triebschneepakete (N-O-S; kammnah).

 

Also, diese nervös hinaufgespitzelte Spur führt doch genau in den von Dir als kritisch angegebenen Bereich- oder?

 

Aus den Bildern von Martin und P. Schatzl entnehme ich-

Ostseite- eingewehter Kammbereich- 40 Grad steil-felsdurchsetztes Steilgelände- ungleiche Schneeverteilung resp Übergang von viel (70cm) zu wenig/ kein Schnee....

 

Standort Fotograf 

http://www.lawine.salzburg.at/cmsnew/daten.php?daten=3

Für mich wäre es wenig reizvoll dieses Areal zu betreten zumal, wie in den Bildern 2 und 3 eindrucksvoll dokumentiert, der seidene Faden an dem die restliche Pampe hängt noch nicht zur Gänze gerissen scheint.

 

Gleitfläche- die Gleitfläche im oberen Bereich ist aus der Ferne (Gennerhorn 4) sehr gut zu erkennen

 

Wie gesagt ich kenne die Gegebenheiten nur von diesem beeindruckenden Bericht und war nicht vor Ort. Vielleicht täuscht mich auch mein Eindruck und ich liege als Ortsunkundiger völlig daneben.

 

LG, Sepp Schiefer!

Bernhard Niedermoser23.01.2016

Servus Martin,

 

danke für die gute Beobachtung und das Zucken der Kamera in Rekordzeit

 

Weitere Details dazu in der neuen Ereignis-Datenbank der LAWIS-Plattform - (Fotos und Infos von den Bergführern Peter Schatzl und Ben Kloss):

 

http://www.lawine.salzburg.at/cmsnew/daten.php?daten=3

 

http://www.lawis/m (für Smartphones)

 

Zwischen Schaflucken und Gruberhorn sieht man mehrere spontane Schneebrettabgänge die dort am 18.01. abgingen - sie deuten auf den schlechten Aufbau schattseitig ab ca. 1700m in der Osterhorngruppe hin - quasi als Gefahenzeichen.

 

lg  b

martin, karo gaisl23.01.2016

Sehr guter Lawinenbeitrag, informative Bilder!