Schneebrett Maurerkogel



Zum Saisonstart eine Warnung, die tödlich hätte ausgehen können.
Mit einer der ersten Gondeln um 8h15 bin ich aufs Kitzsteinhorn gefahren. Oben angelangt, hieß es erst noch eine Weile warten, bis alle Lawinen abgesprengt waren, eine Sprengung habe ich noch gehört.
Bis 12h  war ich meist abseits der Piste im (leicht windgepressten) Pulverschnee unterwegs, mittags wollte ich den Skitag beenden.
Doch dann beschloss ich, doch noch Felle aufzuziehen, um den kurzen Anstieg zum Maurerkogel zu machen. Einige Skitourengeher waren heute schon oben gewesen. Die Aufstiegsspur war zu schmal für meinen breiten Ski, und ich musste vielleicht mit etwas mehr Nachdruck aufsteigen als meine Vorgänger? Kurz unter dem Gipfelkamm kam mir von oben noch ein Tourengeher entgegengefahren.  So weit wie er oben gewesen ist, bin ich gar nicht mehr gekommen.
Etwa 150 Höhenmeter unter mir waren zwei weitere Tourengeher unterwegs. Der Schnee, in dem die Aufstiegsspur verlief, war locker. Als ich fast oben war, (Ca 12h35) brach die Spur unter mir weg. Ich stürzte mit den großen Brocken eines Schneebretts über den Felsriegel bis hinunter ins Pistengebiet. Geschätzt ca 50 Höhenmeter?
Ich wurde nicht verschüttet und nur leicht verletzt.
Ein Skifahrer suchte meine Ausrüstung wieder zusammen und alarmierte die Pistenwacht.
Dennoch war der Schrecken bei mir so groß, dass es eine ganze Weile dauerte, bis ich begann, den Lawinenkegel mit meinem Pieps nach weiteren Verschütteten abzusuchen, bekam aber nirgendwo ein Signal.
Es hat (geschätzt) eine halbe Stunde gedauert, bis eine Sondenmannschaft formiert war, um den Lawinenkegel abzusuchen.
Nachdem die Sondenmannschaft einmal hoch sondiert hatte, wurde von einigen Helfern (auch ich suchte nochmal mit) mit Pieps der Lawinenkegel abgesucht. Es gab ein Signal, bis zur Feinsuche und Punktortung, ich habe mitgeschaufelt, aber es stellte sich heraus, dass irgendein freiwilliger Helfer sein Pieps noch auf Senden gestellt hatte.
Ich bin danach mit Ski zum Alpincenter abgefahren, und dann nach Hause, weil sich Erschöpfung einstellte.
Gott sei Dank wurde niemand weiteres verschüttet.

Die Anrisskante des Schneebrettes war geschätzt 1m hoch. Es lauerte unter der lockeren Schicht, in der die Aufstiegsspur verlief.
Ich hatte ein unglaubliches Glück, und möchte allen in den Saisonstart mitgeben: Kaufts Euch einen Helm (der meine hat jetzt eine ordentliche Delle), und fühlt Euch nicht sicher in verspurtem Gelände und in Pistennähe.
Autor: uta Philipp
Datum: 10.11.2013
Saison: 13/14
Gebiet: Kitzsteinhorn

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uta Philipp15.01.2014
@Andi, nein, ich hatte keinen Airbag, wurde aber auch in keiner Weise auch nur geringfügig verschüttet; ich glaube so viel Schnee ist da gar nicht zusammengekommen.
Andreas Zauhar zu Anrissbereich15.01.2014
Hallo Uta,

was mich noch interessiert: Hattest Du einen Airbag und wenn ja, konntest Du ihn auslösen? LG, Andi
dru andy13.11.2013
Liebe Uta,

genau solch eine Reaktion wollte ich vermeiden. Ich kann verstehen das du emotional reagierst , aber lass dir versichert sein, dass war nicht meine Absicht.

Für mich hat es so ausgesehen, als ob du einfach sehr weit links in deinem Aufstieg warst. Dem war nicht so. Punkt.

Den jugendlichen Leichtsinn habe ich in Bezug auf mich erwähnt, nicht auf dich.

Ich hoffe trotzdem in diesem Forum sachlich diskutieren zu können, weil das impliziert für mich ein öffentlicher Bericht wie dieser.

andY
uta Philipp13.11.2013
Lieber  dru Andy,

vielleicht waren ja ausser den Experten wie Dir und dem Heli des BMI in den letzten 2 Tagen ein paar sensationsgierige Gaffer oben, die sich mal gruseln wollten, und haben das Gelände verspurt?

Auf meinen Fotos, die ca 1 1/2  Std nach dem Lawinenabgang entstanden sind, sieht man die Aufstiegsspuren direkt ostseitig unter dem Grat. Dort, und nicht weit links, war ich unterwegs.
Als sehr guter Kenner der Stelle wirst Du auch wissen, dass auf der rechten (westlichen) Seite des Gipfelgrates der Abgrund sehr viel näher und einige hundert Höhenmeter tiefer klafft.

Ich war schon mehr als 10mal auf dem Maurerkogel, bei guten Verhältnissen auch mal ganz hinüber zum Gipfel, und ich bin auch einige Male der Verhältnisse wegen weiter unten umgekehrt.  Jugendlicher Leichtsinn liegt mir ziemlich fern, ich gehe seit 35 Jahren eigenverantwortlich Skitouren im Hochgebirge und habe zwischen 1998 und 2003 eine Lawinenhundeführerausbildung mit Fortbildungen gemacht.
Meine Fehleinschätzung der Situation am Sonntag macht mir wirklich zu schaffen.

Lass Dich niederbusserln für Deinen einfühlsamen Kommentar,       Uta



dru andy13.11.2013
Hallo Uta,

ich war gestern vor Ort und habe mir die Stelle angesehen (wie auch der Heli des BMI am Nachmittag). Man kann wirklich von großem Glück sprechen, dass dir nicht mehr passiert ist.

Nachdem ich die Stelle sehr gut kenne, da ich vor einigen Jahren meinem jugendlichen Leichtsinn nicht widerstehen konnte, stellt sich mir eine Frage:

Wieso warst du im Aufstieg so weit links?

Ich will hier nicht Anprangern oder "Besserwisser" sein, als viel mehr nachvollziehen können, was da genau passiert ist.

Gute Besserung und liebe Grüße

andY
Dietmar Steiner11.11.2013

Hallo Uta,

ganz alleine warst du wohl doch nicht - 1 oder 2 Schutzengerl waren mindestens dabei!

Helm ja oder nein spukt schon länger in meinem Kopf herum - ich glaub´ , jetzt weiß ich, wo die Reise hingeht.

Ich war gestern auch oben. Um 08:10 Uhr mit der Seilbahn bis Alpincenter. Dann mit Schi Richtung Maurerkogel. Um ca. 09:30 auf Höhe Bergstation Schlepplift Maurerlift.

Beim Alpincenter war bei der Lawineninfo Stufe 2 ausgegeben. Aufgrund des stürmischen Windes habe ich angenommen, dass innerhalb kürzester Zeit sich hier eine Verschlechterung einstellen wird.

Ab Icecamp habe ich bis auf die Pistenabschnitte alles gespurt. Die oberflächliche Schneebindung war gut erkennbar. In den steileren Hangabschnitten am Kees sind kleine Schollen mit ca. 5cm Dicke abgebrochen. Für mich war das schlussendlich Grund genug, die Tour am flachen Boden vor dem letzten Aufschwung abzubrechen (steileres Gelände und massiver Windeinfluss).

Wünsche gute Besserung und auch seelische Erholung!

schöne Grüße,

Dietmar

Wolfgang Lauschensky11.11.2013
Liebe Uta
Wie schlimm ein solches Ereignis auch für den/die erfahrene/n Alpinisten/in enden kann, sahen wir vor knapp zwei Jahren bei Andi Riesner. Wir freuen uns über den relativ glimpflichen Ausgang eines so dramatischen Ereignisses.
Alles liebe Marianne und Wolfgang

Florian Wallner11.11.2013
Heftig!
Gute Besserung!
uta Philipp11.11.2013
Hallo Bernd,

der Abriss war genau bei mir in der Spur, in der ich aufstieg, ich habe es ausgelöst.
Über dem im Foto freiliegenden Felsen am Kamm war der Abschnall-/ Umkehrpunkt meines Vorgängers.
Der abfahrende Tourengeher kann nichts damit zu tun haben, er war sicher schon 5min weiter unten und hatte auch schon die Tourengeher unter mir passiert.
Die Steilheit in der Abrisszone hat geschätzt 35°.
LG   Uta

Bernhard Niedermoser zu Übersicht 211.11.2013
Liebe Uta!

Gott sei Dank ist alles gut ausgegangen - Danke für deinen Bericht!!

Ein paar kurze Zusatzfragen:

~ Glaubst du, dass du das Brett (den Bruch) im Anstieg ausgelöst hast oder hat eher der Runterfahrende den Bruch ausgelöst (war der in der Nähe vom Felsen)?

~ Ist der Abriss genau bei dir passiert oder warst du ein paar Meter im (windgeschützteren) Lee aufgestiegen?

~ Wie steil war es dort wo du mitgerissen wurdest?

Danke gute Besserung
 bernd