Lawinenunfall Frühmesser, 22.01.2017 (Neukirchen am Großvenediger)

Vier erfahrene, vollständig ausgerüstete einheimische Profi-Freerider wollen am Sonntagvormittag vom Frühmesser aus im freien alpinen Gelände einen steilen Graben befahren. Zwei sind schon abgefahren und warten bei einem ausgemachten, sicheren Standplatz. Der dritte Einfahrende hat das Schneebrett ausgelöst. Er wird in den enger werdenden Graben mitgerissen und im stauchenden Auslauf 2.4 m tief verschüttet. Nach raschem Ausgraben wird er schwer verletzt in der Klinik geflogen.


Lawinentyp: Schneebrett, trocken
Anriss Seehöhe: um 1860 m
Anrissmächtigkeit: 20-80 cm
Anrissbreite: ca. 15 m
Länge: ca 200 m
Steilheit beim Anriss: 40 Grad
Exposition: NO
Bruch: in der Altschneedecke, Anbruch hinter Geländekante bei einer dünnen Stelle; geringe Zusatzbelastung
Lawinengröße: 2 (kleine Lawine)


Lawinenproblem: ALTSCHNEEPROBLEM, welches zurückgeht auf den 12.01.2017, aber nicht auf den Dezemberschnee

 

Profil ergab: Auslösepunkt am Übergang von wenig zu viel, an einer dünnen Stelle der Schneedecke mit weniger Überdeckung. Durchgeführte Stabilitätstests und die Art der Auslösung (der dritte Einfahrende) deuten darauf hin, dass der Skifahrer das Pech hatte, einen Punkt mit geringer Überdeckung zu erwischen und dort den Bruch ausgelöst hat.

 

 

Details aus dem Lawinenlagebericht vom 22.01.2017:
Gefahrenstufe Hohe Tauern: Mäßig (2)
Besonders gefährdete Expositionen: NW-N-NO
Besonders gefährdeter Höhenbereich: > 1700 m
Beschreibung der Lawinensituation: Triebschneesituation in den föhnbeeinflussten Zonen, Altschneeproblem schattseitig, kein Tagesgang
http://www.lawine.salzburg.at/lageberichte/lb_2017-01-22.html

 


Beschreibung der Lawinensituation im LLB: .... im Schneedeckenaufbau: ....Schwachschichten im Altschnee (grieselig-kantiger Dezemberschnee im unteren Drittel der Schneedecke) ist durch die gesetzte Schneeauflage und hochalpin auch durch kompakten Windharsch inzwischen gut überdeckt. Vergleichsweise am heikelsten ist das Altschneeproblem in den Hohen Tauern westlich vom Wiesbachhorn (Nordsektor ober 2000 m).....


WAS KANN JEDER MITNEHMEN und LERNEN: Das Altschneeproblem ist von allen Situationen die am schwierigsten zu fassende. Weil es in der aktuellen Situation nur wenige Punkte gibt wo man ein Brett auslösen kann und weil diese oft nur bei größeren Impulsen störbar sind. Hier hatte der dritte Einfahrende das Pech, einen solchen Auslösepunkt im dünnen Einfahrbereich zu erwischen. Das Risiko, dass man eingeht, wenn man so einen extrem steilen Hang mit wenig Schnee in dieser schattseitigen Ausrichtung fährt, ist natürlich deutlich höher als bei anderen Hängen.

 

Infos vor Ort von der LWK Neukirchen (Breuer D., Breuer H-P., Kammerlander M., Stotter HP.) und AEG Mittersill.

Autor: Bernhard Niedermoser
Datum: 22.01.2017
Saison: 16/17
Gebiet: Kitzbüheler Alpen