Winterbilanz 2014/15

Christi Himmelfahrt - Zeit um den letzten Winter aus Sicht des Lawinenwarndienstes zu reflektieren um das Wichtigste über den Sommer mitzunehmen.


ZUM MITNEHMEN

Winter 2014/15 war ein Altschneewinter. Kommt in der Ausprägung (hoffentlich nur) alle 10 Jahre vor.

Altschneeproblem ist schwer fassbar für den Alpinisten!
Die tief liegende Schwachschicht hat keine Gefahrenzeichen. Sie wird vom subjektiven Gefahrenstufenempfinden von den meisten der Gefahrenstufe GERING (1) zugeordnet. Der Alleingeher kann eventuell ein Vibrieren der obersten festen Schichten wahrnehmen, ältere Abgänge werden von Vielen als "nicht mehr relevant" in der Beurteilung abgelegt. Daher ist ein Gefahrenbewusstsein rein aus der Wahrnehmung heraus kaum möglich - die Gefahr bleibt diffus.

Auch wenn solche Gefahrenmomente über den LLB klar kommuniziert werden, die Strategie für den Alpinisten bleibt für viele sehr diffus und ist schwer greifbar: Schneearme Bereiche und Übergänge meiden (was heuer den halben Winter schwierig war dem auszuweichen), Nordsektor im heiklen Höhenbereich noch konsequenter meiden (was bleibt dann noch), Abstände noch weiter ansetzen. Ist alles stark eingrenzend, und das nur für eine tiefe Schwachschicht? Wie geht der Einzelne damit um?

Altschnee - hat mehr Luft
Nicht nur in Salzburg, auch in anderen Bundesländern, zeigt sich, dass heuer viele Totalverschüttete eine lebensrettende Lufthöhle hatten. Dürfte kein Zufall sein.
Es scheint so, dass bei Lawinenunfällen die aus einem ausgeprägten Altschneeproblem heraus entstehen, mehr Luft und Hohlräume bieten als bei reinen Triebschneeunfällen. Ein Lichtblick vor allem für die Rettungsmannschaften. Für den Tourengeher und die Kameradenrettung sollte es aber kein Fakt sein mit den man kalkulieren oder planen sollte.

Abstände - der Älpler ist im Anstieg zu kommunikativ
Während bei der Abfahrt das Einzelfahren sich mehr und mehr durchsetzt - was erfreulicherweise die Auslösungen heuer eindeutig gezeigt haben (nur einzelne Personen werden total verschüttet) -, ist es beim Anstieg noch deutlich anders. Bei den Auslösungen im Anstieg wurden 100% der Personen (3 Gruppen) mitgerissen.
Muss nicht sein! Neben der Schonung der Schneedecke (geringeres Risiko der Bruchauslösung) geht es vor allem darum die Chancen für die Kameradenrettung zu erhöhen - jeder Verschüttete mehr senkt die Chancen deutlich! Des Weiteren sollte man überdenken die Abstände beim Aufstieg großzügiger - als derzeit von den gängigen Strategien vorgeschlagen - anzusetzen. Hätte gerade bei den großflächigeren Schneebrettern aus der Altschneedecke heraus deutliche Vorteile!

Kameradenrettung:
Erfreulicher Trend. Die Salzburger Unfälle zeigen dass offenbar schon zahlreiche Tourengeher fit sind im Finden und Ausgraben (zumindest wenn es nicht zu tief rein geht).

Lawinenairbag:

Schützt nicht vor einer Totalverschüttung! Hilft aber trotzdem.
3 von 5 Auslösungen in Salzburg wurden komplett verschüttet, alle 3 konnten aber durch die Kameraden schon durch die optische Suche rasch gefunden werden, da jeweils ein Eck des Airbags herausschaute.



POSITIVE LANGZEITTRENDS:

Geht man von der Jahresbetrachtung weg, da die Schwankungen von Jahr zu Jahr in Abhängigkeit vom Schneedeckenaufbau sehr stark sind, und betrachtet nur Jahrzehnte, so ergeben sich folgende interessante Aussagen (Quelle SLF):

Seit den 1960ern haben die Lawinenunfälle deutlich zugenommen, sie haben sich verdoppelt.

POSITIV 1
: Die Anzahl jener die im alpinen Gelände unterwegs sind hat sich aber nicht verdoppelt, sondern hat um ein Mehrfaches zugenommen. Genau kennt man den Zuwachs nicht, geschätzt könnte es aber schon den Faktor 10 ausmachen - d.h. das grob 10-mal mehr Leute unterwegs sind als vor 50 Jahren, aber die Unfallzahlen sich nur verdoppelt haben.

>> Hier kommen die präventiven Effekte der Arbeit der Lawinenwarndienste (Info, LLB), der alpinen Vereine (Ausbildung) und der Tourenlenkung und das Gruppenverhalten (viel begangen, Masse geht Standardtouren) zu tragen.

POSITIV 2
: Trotz der Verdoppelung der Lawinenunfälle hat die Anzahl der Lawinentoten nicht zugenommen, im Gegenteil: das Langzeitmittel ging in den letzten 20 Jahren leicht zurück! Für die Schweiz (dort gibt es die meisten Unfälle und das beste Langzeitdatenmaterial) bedeutet dies ein Rückgang von 25 auf 22 getöteten Personen pro Saison.

>> Hier kommt vor allem der Effekt von besserer Ausrüstung, Notfallausrüstung und Kameradenrettung (Ausbildung) zu tragen (Industrie, alpine Vereine).


Unter den Bildern findet Ihr noch weitere Details zu

DIE HARTEN FAKTEN in Salzburg

DIE WEICHEN FAKTEN


B. Niedermoser
lawinenwarnzentrale salzburg
Autor: Bernhard Niedermoser
Datum: 14.05.2015
Saison: 14/15
Gebiet: Salzburg