Lawinenunfall Hoher Göll-Ost, 11.02.2018 (Kuchl)

Zwei Alpinisten gehen die Göll-Ost. Beim Ausstieg der sehr alpinen Unternehmung lösen sie im Bereich des Ausstieges ein kleines Schneebrett aus welches zum Absturz führt.

 
Der Vorsteigende ist ca. 20-30 m vom Ausstieg entfernt. Gerade dabei, links unter der bei der Wechte vorbei auszusteigen, als ein kleines Schneebrett bricht und beide Alpinisten (der Zweite befindet sich zu diesem Zeitpunkt direkt unter der Wechte) mitreißt. Sie stürzen rund 300 Höhenmeter ab und bleiben verletzt auf einem weniger steilen Rücken liegen.

 

Laut den Beschreibungen der Alpinisten ist es nicht ganz klar ob ein kleiner frisch eingewehter Wechtenteil (spontan) bricht und den dünnen, frischen Triebschnee auslöst oder ob die Alpinisten selbst den dünnen Triebschnee auslösen. Auf Grund der extremen Beschleunigung geht alles enorm schnell. Wahrscheinlicher ist eine Auslösung der frischen Triebschneelinse durch die Alpinisten, zu Fuß durch den ersten im steilsten Bereich, selbst.

 

Das Schneebrett ist auf jedem Fall dünn und klein und reicht im Ansatz in den oberflächlichen Wechtenbereich hinein. Im Auslauf befinden sich keine relevanten Lawinenablagerungen. In der Sturzbahn (40-Plus-Gelände) wird kaum Schnee mitgenommen. Es wird keiner der Beiden verschüttet.

 

Am Unfalltag gibt es am Morgen Schneefahnen am Göll und den umliegenden hohen Bergen, die auf die angekündigte Wetterverschlechterung und die beginnende Triebschneebildung im kammnahmen Gelände hindeuten. Die Vortage waren windschwach.

 

Die Rettungskette funktioniert trotz des einfallenden Nebels perfekt. Am Unfalltag ist keine Sicht in den Bruchbereich möglich. Die Befliegung erfolgt wetterbedingt erst drei Tage später, inzwischen hat es rund 30 cm draufgeschneit.
 

Lawinentyp: Schneebrett, trocken
Anriss Seehöhe: 2500 m
Anrissmächtigkeit: 15 cm (geschätzt)
Anrissbreite: ca. 30 m (geschätzt)
Länge: ca 300 m (Sturzbahn)
Steilheit beim Anriss: 48 Grad
Exposition: N
Bruch: frischer kammnaher Triebschnee
Lawinengröße: 1-2 (Rutsch bis kleine Lawine)

Lawinenproblem: TRIEBSCHNEEPROBLEM

 
Details aus dem Lawinenlagebericht vom 11.02.2018:
Gefahrenstufe Nordalpen: Gering (1)
Besonders gefährdete Expositionen: NW bis O
Besonders gefährdeter Höhenbereich: keine Einschränkung
Beschreibung der Lawinensituation: Triebschneesituation
kein Tagesgang
http://www.lawine.salzburg.at/lageberichte/lb_2018-02-11_2.html?lang=de_GE


Beschreibung der Lawinensituation im LLB: .... Die Lawinengefahr ist GERING bis MÄßIG. Kleinräumiger, dünner Triebschnee im Nord- und Ostsektor, hochalpin eventuell auch südseitig kann im sehr bis extrem steilen Gelände bei Auslösung vor allem zum Absturz führen. Die Anzahl der Gefahrenstellen nimmt mit der Höhe zu. ......


WAS KANN JEDER MITNEHMEN und LERNEN: (a) Dünne Triebschneepakete im extrem steilen Gelände sind gefährlich. Es geht um den Absturz, um das Mitreißen. In diesem Gelände hat man kaum Reserven.
(b) Wechtenbruch ist so gut wie gar nicht vorhersagbar bzw. nicht gut einschätzbar. Es gibt gewisse Temperaturentwicklungen, die einen Wechtenbruch begünstigen können oder wenn man Gefahrenzeichen erkennt, etwa anderswo brechende Wechten, dann kann man daraus vielleicht ein erhöhtes Risiko ableiten.


Quelle: Erhebung AEG Hallein (Lindenthaler), BMI-Hubschrauber (Hauer), LWD (Niedermoser)

Autor: Bernhard Niedermoser
Datum: 11.02.2018
Saison: 17/18
Gebiet: Göll