Schneebrettauslösung Klingspitz, 6.12.2017 (Dienten)

Zwei Freunde unternahmen gemeinsam von Dienten aus eine Skitour auf die Klingspitz. Bei der Abfahrt über die Aufstiegsrichtung löste der Erste bei der Einfahrt in eine kammferne Geländekante (um 30 Grad) ein Schneebrett aus. Er wurde mitgerissen und ca. 150m (ca. 50hm) weiter unten zur Gänze verschüttet. Sein Kamerad setzte Notruf ab und begann mit der Kameradensuche. Zwei weitere Tourengeher kamen zur Hilfe. Er konnte in kurzer Zeit aus ca. 50 – 70 cm Tiefe ausgegraben werden. Er war 15min verschüttet.

 

Der Verschüttete war bewusstlos. Kam nach dem Ausgraben wieder zu Bewusstsein, wurde vom Notarzthubschraubers Martin 1 geborgen und in das UKH Schwarzach geflogen. Der Verschüttete war nicht verletzt.

 

Die Lawine ist ein trockenes Schneebrett. Der Triebschnee wurde am MO und MO auf DI (4./5.12.) mit viel Wind gebildet. Im Mittel rund 40 cm Neuschnee, der ober der Waldgrenze unregelmäßig verteilt wurde. Der Bruch erfolgt in einer ausgeprägten Reifschicht, die frisch eingeweht/zugeschneit wurde.

 

Am 6.12.2017 wurde zahlreiche, zumeist kleine, teils dünnmächtige, teils dickere Schneebretter von Personen ausgelöst. Zum Teil mit geringer, zum Teil mit großer Zusatzbelastung im Höhenbereich 1600 bis 2200m. Dieser Unfall war der Einzige mit Verschüttung.

 

Lawinentyp: Schneebrett, trocken

Anriss Seehöhe: 1650 m
Anrissmächtigkeit: 20 bis 60 cm
Anrissbreite: ca. 50 m
Länge: ca 150 m
Steilheit beim Anriss: 30-32 Grad
Exposition: N
Bruch: Triebschnee auf Reifschicht
Lawinengröße: 2-3 (kleine bis mittlere Lawine)


Lawinenproblem: TRIEBSCHNEEPROBLEM

 
Details aus dem Lawinenlagebericht vom 06.12.2017:
Gefahrenstufe inneralpine Grasberge: Erheblich (3)
Besonders gefährdete Expositionen: N-O-S
Besondes gefährdeter Höhenbereich: > 2000 m
Beschreibung der Lawinensituation: Triebschneesituation
kein Tagesgang
http://www.lawine.salzburg.at/lageberichte/lb_2017-12-07.html


Beschreibung der Lawinensituation im LLB: .... Triebschneesituation, die noch Zurückhaltung fordert ..... Auch wenn die Auslösebereitschaft im Vergleich zu gestern leicht abgenommen hat, verlangt die Situation noch Zurückhaltung und Erfahrung. Die Kombination von Triebschnee auf schwacher Unterlage sorgt ab ca. 2000 bzw. 2200m aufwärts noch verbreitet für ERHEBLICHE Lawinengefahr, darunter ist sie MÄSSIG (2) ..... Der Triebschnee ist relativ kompakt und liegt oft auf einer kalten, lockeren und mit Reif durchsetzten Unterlage. .... Gefahrenstellen finden sich in den Richtungen NO-O-S-SW und in den Rinnen aller Richtungen. Eingewehte Triebschneezonen gibt es kammnah, in den stark windexponierten Abschnitten auch kammfern. Schon der Impuls einer Person kann zur Auslösung ausreichen, insbesondere am Rand von Triebschneepaketen.


WAS KANN JEDER MITNEHMEN und LERNEN: (1) Reif ist heikel. Ist ausgeprägter Reif die Bruchfläche, dann ist oft die Hangneigung geringer als bei "klassischen" Triebschneebrettern. Der von vielen Strategien propagierte simple Zusammenhang zwischen Gefahrenstufe und Hangneigung funktioniert da in vielen Fällen überhaupt nicht. (2) Kameraden können helfen. In 15 Minuten orten und ausgraben, wenn der Kamerad 150 m weit entfernt begraben liegt, ist eine Leistung. Inklusive Notruf absetzen.


Infos und Fotos: AEG Saalfelden und FEST Salzburg (Bartolot, Wang), Niedermoser (LAWI Sbg)

Autor: Bernhard Niedermoser
Datum: 06.12.2017
Saison: 17/18
Gebiet: Dientner Grasberge